#38 Video über die diversen Namen der essbaren Lonicera zensiert!

Von Markus Kobelt | 22.12.2008

Das hier ursprünglich gezeigte Video über die diversen Namen der Lonicera Kamtschatika musste gelöscht werden.

Das hat man nun davon, wenn man clever sein möchte... Da berichtete ich doch kürzlich hier auf Gartenvideo.com, dass wir von einem Mitbewerber mit einem Diminutiv im Namen abgemahnt worden seien, wir dürften die essbaren Lonicera kamtschatika nicht mehr als Maibeeren bezeichnen, eben dieser Begriff sei von ihm warenzeichenrechtlich geschützt. Eingedenk der früh gelernten Weisheit - der Klügere gibt nach - verabschiedeten wir uns sofort vom privatrechtlich usurpierten Beschreibungsbegriff Maibeeren, und meinten clever einen Ausweg gefunden zu haben: Die Bezeichnung Lenzbeere.
Aber da hatten wir die Rechnung ohne den Wirt, und vor allem ohne den freundlichen Herrn Pötschke von Deutschland fünftältestem Versandhaus gemacht. Er, nein nicht er persönlich, aber seine Anwälte mahnten mich gestern schriftlich und mehrseitig und unter Straf- , Prozess und Bussandrohung ab, in Zukunft meine Gärtnerfinger auch vom Begriff Lenzbeere zu lassen. Auch er sei warenzeichenrechtlich geschützt und gehöre definitv dem ebenso originellen wie kreativen und freundlichen Gärtner Pötschke.
Wenn man auf Anwälte verzichtet, ist guter Rat natürlich nicht teuer und so werden wir schnellstmöglich alle Spuren unserer vermeintlich glücklichen Namensfindung tilgen! Und selbstverständlich wie von des netten Gärtners Anwälten gewünscht darauf aufmerksam machen, dass der Begriff Lenzbeere rechtens nur vom freundlichen Herrn Pötschke von Deutschlands fünftältestem Verlagshaus für Lonicera (die des Lateins kundigen Advokaten schreiben mitunter auch von Linicera und Lunicera) genutzt werden darf. Und überhaupt, liebe Gartenfreunde, gehet hin zum Freundlichen Gärtner Pötschke und sehet an seine Lenzbeeren, wie sie so wunderbar natürlich im Dessertglas schweben . Nichts könnte schöner sein. Und überhaupt, man soll ja über Mitbewerber nie jemals ein schlechtes Wort verlieren und so richtig klar ist mir das erst bei der Durchsicht von Deutschland fünftältestem Versandhaus geworden: Was mir da vor allem imponiert, ist die Natürlichkeit des Bildmaterials, der Blick für die Natur, für das Wesentliche. Warum nur gelingt es mir kaum jemals, so schöne Hecken, Clematis und Hängeerdbeeren zu sehen?
Nun ja, mir wird halt weiter nichts anderes übrigbleiben, als aufs optische Ingenium zu warten und mitunter ein bischen mit Grafik nachzuhelfen, wo mir das Pötschkesche Talent fehlt. Und mit Deutschlands fünftältestem Versandhaus (ich habe das extra nochmals nachgeprüft, um nicht wieder abgemahnt zu werden, es ist wirklich das fünftälteste, und nicht etwa nur das sechstälteste...) werde ich es auch im stolzen Alter von 45 Jahren (Lubera ist 15 Jahre alt) nie aufnehmen können. Vor solch einem historischen Monument bleibt einem wirklich nur die blosse Ehrfucht.
Was machen wir aber nun mit den Linicera äh lunicera äh Lonicera? Nun zunächst bleiben wir mal beim klassisch lateinischen Begriff Lonicera, um nicht wieder in die Markenfalle von Deutschlands zwar nicht ganz antiken aber doch fünftältesten Versandhaus zu tappen. Wer weiss, vielleicht haben des Gärtners Anwälte gar den Begriff Linicera oder Lunicera auch geschützt, um sozusagen hinterrücks auch die botanischen Namen zu privatisieren.....? Und wie wärs etwa mit Lenicera?
Irgendwie kann ich halt nicht davon lassen und probiers halt mit einem neuen Begriff: Ab sofort heissen bei uns die essbaren Lonicera kamtschatika

ERSTBEEREN

Warum? Weil sie halt als erste Strauchbeeren reif werden. Und weil ich hoffe, dass ich diesen Begriff nun wirklich als erster gefunden und benutzt habe;-)) Und wir bitten alle da draussen, die wohlmeinend sind, uns doch allerschnellstens zu informieren, wenn auch dieser Begriff ev. schon besetzt bzw. usurpiert wäre. Bitte nicht gleich den Anwalt schreiben lassen, sondern schnell ein Mail an
info@lubera.ch. Wir versprechen dann auch, nicht gleich wieder einen Blogpost zu schreiben oder ein Video zu drehen;-)) Denn eines ist sicher: Es gibt ganz sicher noch nette Gärtner auf dieser Welt.

Noch eine Frage an die geneigten Leser: sollen wir nun Erstbeere auch als Marke schützen lassen???
 

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Kommentare

__ am 28.12.2008__
Sehr geehrter Herr Kobelt,
das ist eine seltene humorige Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema! Der Baumschulkollege, von dem Sie sprechen, hat sich auch bei anderen Kollegen auf seinen eingetragenen Markenschutz berufen. Wir sollten mal versuchen den Namen Himbeere zu schützen!
Also heißt die Pflanze nun: Maibeere, Lenzbeere oder auch Honigbeere.
Nicht teilen kann ich die Hinweis, dass die Pflanze nur im Frühjahr schön ist. Man kann sie durchaus auch im Herbst anschauen!
Viele Grüße
I. Mollwo
__Markus Kobelt am 28.12.2008__
Hallo Frau Mollwo.

Besten Dank für den Kommentar.

Nun ja, Maibeere dürfen wir sie wohl nicht mehr nennen....Honigbeere wäre auch eine Lösung (Honeysuckle berry), aber das war mir dann doch etwas zu süss. Lenz scheint mir passender, da hier die Pflanze wirklich ihre Stärken ausspielt..

Natürlich werden wir den Begriff Lenzbeere nicht schützen und laden alle ein, ihn zu gebrauchen. Durch die unterschiedlichen Namen wird die Obstart weiter geschwächt und sie wird weiterhin unter ihrem wahren Wert verkauft.

Bezüglich der zweiten Jahreshälfte kann man unterschiedlicher Meinung sein. Viele Sorten werden mindestens bei uns im Sommer etwas nekrotisch, aber ich habe jetzt auch da Unterschiede gesehen, vielleicht müsste man das mal genau anschschauen.

Ein gutes und abmahnungsfreies neues Jahr wünscht

Markus Kobelt
__ am 13.01.2009__
Moin Moin,
beim lesen dachte ich gleich an: 'Erstbeste' . So gesehen das Erstbeste was mir eingefallen ist.
Viele Gruesse Jenne
__ am 30.10.2009__
Sehr geehrter Herr Kobelt,

hab' gerade Ihre schönen und informativen Videos gesehen und kann Ihnen versichern, dass die Bilder in oben besagtem Katalog so abschreckend unnatürlich wirken, dass ich es deswegen nicht übers Herz gebracht habe, etwas daraus zu bestellen und meine Kinder sich bei Ankunft des Prospektes wie wild darauf gestürzt haben um mir all die Entstellungen zu zeigen.
Oder sehen Pflanzen dort wirklich Sooo aus ??????

Mit freundlichen Grüßen
und Dank für Ihre Gartentips
Ihre
C. Formanek

__ am 25.08.2010__
Sehr geehrter Herr Kobelt,

ein interessanter Beitrag, auf den ich zufällig erst jetzt gestoßen bin.

Aber stellt er nicht nur die halbe Wahrheit dar? Sie erwähnen den alten Gartenversender mit dem Verweis auf seine Namensfindung Lenzbeere, informieren uns aber nicht, wer Maibeere verwenden darf. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sagt es uns: es ist die Fa. Häberli aus der Schweiz. Zwei andere große Onlineversender verwenden den Namen ebenfalls. Man kann also vermuten, die dürfen das, weil sie entweder bei Häberli beziehen oder Lizenz zahlen.

Meines Erachtens geht es doch nur um Lizenzen bei dem Verwirrspiel gegenüber dem Hobbygärtner. Doch bringt das wirklich etwas? Vielleicht wissen einige wirklich nicht, daß Mai-, Lenz-, Erst- und Honigbeere die gleichen Pflanzen sind und die eine oder andere x-Beere wird dadurch durch Mundpropaganga (ich hab' eine Erstbeere, lecker!) mehr verkauft. Aber ist es dieses Verwirrspiel wirklich wert? Bei Kulturheidelbeeren und Aronia geht es doch auch so. Dort wird sich auf einen besonderen Zusaztnamen beschränkt und gut ist.

Wie wäre es, wenn alle den Ursprungsnamen Haskap, wie er auch in China, Japan, Kanada und den USA weiterhin verwendet wird, benutzen. Dann kann sich jeder schicke Zusatznamen ausdenken und der Hobbygärtner ist nicht verwirrt. Ich denke, der Zusatzaufwand, den Sie als Hersteller mit der Namensspielerei aufbringen, ist es nicht wirklich wert.

Mit freundlichen Grüßen
und weiter so mit Ihrem interessanten Blog.
A. Hesse
 
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